Pressemitteilung: Milch im Preistief

Bio und regional als Chance für bäuerliche Milchbetriebe

Ein Jahr nach Ende der Milchquote: Preise bleiben im Keller / Kleine Höfe mit Weidehaltung besonders gefährdet / Studie: nachhaltig erzeugte Milch gesünder / Aufruf an die Verbraucher, auf nachhaltige regionale Produkte zu setzen / Kieler Ministerium unterstützt die Aktion / Ländliche Räume stärken: auch Beteiligung an regionalen Betrieben der Land- und Lebensmittelwirtschaft möglich

Lentföhrden 30. März 2016. Der Milchpreis ist ein Jahr nach Ende der Quote dauerhaft im Keller. Die Molkereien im Norden zahlen nur noch rund 25 Cent pro Liter konventionelle Milch. Darunter leiden besonders kleine Höfe, die auf Weidehaltung setzen. Für sie ist regionale Vermarktung oder Umstellung auf Bio eine Möglichkeit, ihre Betriebe zu erhalten. Dafür brauchen sie eine stabile Nachfrage. Die Meierei Horst, die Öko-Melkburen und die Regionalwert AG Hamburg rufen deshalb Handel und Verbraucher im Norden auf, auf Milch aus nachhaltiger, regionaler Erzeugung zu setzen – und sich auch finanziell an der Land- und Lebensmittelwirtschaft zu beteiligen.

 

Bio-Milchbauer Hans Möller, Geschäftsführer von De Öko Melkburen, sagt: „Vor dem Fall der Milchquote haben viele Landwirte ihre Herden vergrößert und neue Ställe gebaut. Es kommt immer mehr Milch auf den Markt. Die Preise sinken.“

 

Tatjana Tegel, Geschäftsführerin der Meierei Horst, ergänzt: „Die meisten Kühe stehen heute das ganze Jahr im Stall. Aber es gibt immer noch kleine Betriebe, die ihre Tiere auf die Weide schicken – und sie vorwiegend mit eigenem Heu und selbst angebautem Futer versorgen. Das bedeutet aber höhere Kosten und weniger Milch.“ Gleichzeitig wirtschaften solche Betriebe umweltfreundlicher – und ihre Milch ist gesünder. Tegel: „Neue Studien zeigen: Wenn die Kühe Gras und Heu fressen, enthält die Milch die wichtigen Omega-3-Fettsäuren. Auch deshalb ist es wichtig, die kleinen Betriebe zu erhalten.“

 

Die Meierei Horst zahlt konventionellen Landwirten rund 30 Cent pro Liter Milch, wenn sie sich auf Nachhaltigkeitskriterien verpflichten – zum Beispiel Weidegang zu gewährleisten, kein gentechnisch verändertes Futter zu verwenden und nicht präventiv Antibiotika zu geben. Dafür wurde die Meierei letztes Jahr mit dem Nachhaltigkeitspreis ZeitzeicheN ausgezeichnet. Tegel: „Das Interesse der Milchbauern an unserem Modell ist groß. Wir haben derzeit eine Warteliste von zwölf Landwirten, die gern zu uns liefern wollen. Derzeit fehlt uns aber noch die Nachfrage.“ Eine andere Möglichkeit für kleine Milcherzeuger ist, auf ökologische Produktion umzustellen. Bio-Bauern erzielen derzeit rund 46 Cent pro Liter Milch. Öko-Melkbur Hans Möller: „Im Bio-Bereich ist der Milchpreis sehr stabil. Das ist eine gesunde Grundlage für kleine Betriebe.“

 

Um die Nachfrage zu stimulieren, rufen die Partner jetzt Handel, Bürgerinnen und Bürger sowie Großverbraucher in Schleswig-Holstein und der Metropolre­gion Hamburg auf, gezielt Milch, Joghurt, Quark und Butter von kleinen Betrieben aus der Region zu kaufen. Staatssekretärin Silke Schneider vom Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein macht deutlich: „Landwirte, die es sich vorstellen können, könnten auf Ökolandbau umzustellen. Dort sind die Marktprognosen gut, die Nachfrage steigt und die Preise sind stabil geblieben. Der Schlüsselbegriff ist Diversifizierung, das gilt sowohl für die Erzeugung als auch für die Verarbeitung von Milch“, sagte Schneider. Sie betonte aber auch: „Der Bund muss endlich erkennen, dass es hier um eine existentielle Krise geht und handeln.“

Auch die Regionalwert AG Hamburg unterstützt den Aufruf. Ulf Schönheim, Vorstand der Bürger-Aktiengesellschaft sagt: „Wir wollen eine enkeltaugliche Landwirtschaft und gute Lebensmittel. Die Devise ‚wachse oder weiche‘ führt die Landwirte in eine Sackgasse.“ Um regionalen Absatz zu fördern, baut die Regionalwert AG Hamburg einen Verbund von nachhaltig wirtschaftenden Betrieben auf, die eng zusammenarbeiten. Dafür beteiligt sich die Regionalwert AG Hamburg mit Eigenkapital an den Betrieben. Das Geld dafür kommt von den Bürgerinnen und Bürgern der Region, die sich Aktien der Regionalwert AG Hamburg gekauft haben. So werden sie mittelbar Miteigentümer der Betriebe. Und auch an der Meierei Horst können die Verbraucherinnen und Verbraucher Anteile erwerben – in diesem Fall als Mitglieder der Genossenschaft. Schönheim: „Regionale, nachhaltige Erzeugung und Vermarktung stärkt die Ernährungssouveränität und ist gleichzeitig Wirtschaftsförderung für den ländlichen Raum. Das Geld bleibt vor Ort, kleine Betriebe werden gestärkt. Und das wiederum bedeutet stabile Steuereinnahmen für die öffentlichen Haushalte. Alle gewinnen.“

 

Pressematerial und weitere Informationen

De Öko Melkburen GmbH

Drei Landwirte aus der Region nördlich von Hamburg sind De Öko Melkburen. Sie führen ihre Familienbetriebe werden nach den strengen Biolandrichtlinien. Das bedeutet artgerechte Tierhaltung und wahre Regionalität. Und eine gesunde Biomilch, die in der Meierei Horst verarbeitet wird. Dort wird die Milch lediglich schonend auf 72° C erwärmt. De Öko Melkburen verzichten bewusst auf die Homogenisierung, bei der die Fettkügelchen der Milch unter hohem Druck zerkleinert werden. So erhalten die Kunden eine hochwertige, gesunde Vier-Jahreszeiten-Milch mit saisonal unterschiedlicher Zusammensetzung. Mit dem Genuss der Milch unterstützen die Kunden auch eine nachhaltige, biologische und regionale Landwirtschaft.

www.deoekomelkburen.de

 

Die Meierei Horst eG

Die Meierei Horst eG ist die letzte Molkerei in Schleswig-Holstein, die noch echte, tagesfrische Milch abfüllt. Sie feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen. Seit Mitte 2014 ist die Meiere Horst eine Lieferanten- und Konsumgenossenschaft, in der Landwirte und Verbraucher gemeinsam dafür sorgen, daß es auch weiterhin regionale, tagesfrische Trinkmilch gibt. Konsumenten können durch ihre Beteiligung die Meierei finanziell absichern und erhalten im Gegenzug ein Mitspracherecht und einen direkten Draht zur Produktion und zu den Landwirten. Das Modell wurde 2015 mit dem Nachhaltigkeitspreis ZeitzeicheN in der Kategorie „Unternehmen“ ausgezeichnet.

www.meierei-horst-eg.de

 

Die Regionalwert AG Hamburg

Die Regionalwert AG Hamburg will für eine nachhaltige regionale Land- und Lebensmittelwirtschaft sorgen. Dafür gibt sie regelmäßig Aktien an die Bürgerinnen und Bürger aus. Die so eingeworbenen Mittel investiert sie als Eigenkapital in Partner-Betriebe wie zum Beispiel Bauernhöfe, Lebensmittelverarbeiter, Lebensmittelhändler und Gastronomiebetriebe. Die Betriebe verpflichten sich auf ökologische und soziale Kriterien – und darauf, eng zusammenarbeiten. Die Region umfasst Schleswig-Holstein und die Metropolregion Hamburg. Vorbild ist die Regionalwert AG Freiburg, die seit 2006 existiert.

 

Die Regionalwert AG Hamburg wurde im Mai 2014 von 45 Bürgerin­nen, Bürgern und Unter­neh­men gegründet. Darunter waren auch Unternehmen wie Budnikowski, De Öko Melkburen und Voelkel sowie verschiedene landwirtschaftliche Betriebe aus der Region. Nach der ersten erfolgreichen Aktienausgabe hat die Regionalwert AG Hamburg 230 Aktionäre, die 1.908 Aktien à 500 Euro halten. Ihr Grundkapital beläuft sich 954.000 Euro. Unter den Aktionären sind auch Stiftungen wie die Bewegungsstiftung oder die Um­welt­stiftung Greenpeace. Der Bioland-Hof Koch aus Betzendorf-Glüsingen ist erster Partnerbetrieb der Regionalwert AG Hamburg. Derzeit ist die Bürger-Aktiengesellschaft in Verhandlung mit weiteren Betrieben in Hamburg und Schleswig-Holstein. Sie will 2016 insgesamt rund 600.000 Euro in Betriebe der regionalen Land- und Lebensmittelwirtschaft investieren.

www.regionalwert-hamburg.de

 

Pressekontakt

Ulf Schönheim
Vorstand
Tel. 040 75668190
Mobil 0179 2669897
ulf.schoenheim@regionalwert-hamburg.de

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